Kirchengemeinde Balge - Kapellengemeinde Schweringen
An - ge - dacht

Am 11. März ist Kirchenvorstandswahl

Gemeinsam das Gemeinde- und Kirchenleben gestalten – die evangelische Kirche lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und die Kirche und Gesellschaft vor Ort mit prägen. Mit ihrem Mitdenken und Entscheiden, mit Sachverstand und ihrer Persönlichkeit bilden Kirchenvorstände eine wichtige Säule in der lokalen Gemeindearbeit.

Was bedeutet es, wenn sich nicht genügend Menschen finden, die diese Gestaltungsaufgabe bereit sind zu übernehmen? Wir hören von immer mehr Gemeinden, die für den beschlossenen Wahlaufsatz nicht ausreichend Kandidatinnen und Kandidaten finden. In Balge ist dies auch so. Daher muss die Anzahl der zu Wählenden höchstwahrscheinlich reduziert werden. Dann liegt die Verantwortung in noch weniger Händen und die Belastung für den Einzelnen wird größer.

Die Kirche ist jede und jeder, die und der getauft und somit Mitglied der evangelischen Kirche ist. Die meisten Leserinnen und Leser gehören dazu. Wir gemeinsam sind evangelische Kirche.

Sie erwarten, dass die Kirche im Dorf bleibt. Das zeigt sehr deutlich jedes Kirchengebäude. Dass das so bleibt, zeigen die Menschen, die das Gebäude mit Leben erfüllen, die in die Gottesdienste gehen und die an den angebotenen Veranstaltungen teilnehmen.

Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch! Sorgen Sie dafür, dass Kirche im Ort bleibt! Sie zusammen mit den vielen anderen können wählen gehen und damit zeigen, dass Ihnen an Kirche etwas liegt.

Die Bibel vergleicht die Kirche mit einem lebendigen Organismus. Jeder Leib ist nur im Zusammenspiel aller Glieder und Organe lebensfähig. Ihr seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied (1. Korinther 12, 27).

Christliche Gemeinde besteht aus unterschiedlichen Typen von Menschen mit vielfältiger Herkunft und einer Fülle verschiedener Gaben und Fähigkeiten. Alle verbindet der Glaube an den einen Herrn. In dieser grundlegenden Tatsache findet Gemeinde immer wieder zusammen. Seien Sie dabei: KIRCHEMITMIR

Es grüßt Sie das eine Glied unter den vielen anderen

Jann-Axel Hellwege, Pastor



Die drei Gesichter der Glocke

Im Kirchturm der Kreuz-Kirche in Schweringen hängt die vom Kapellenvorstand 1934 in Auftrag gegebene Glocke.

Der Zeitgeschichte und den gesellschaftlichen Umständen geschuldet ist sie als Vaterlandsglocke konzipiert. Ein Jahr nach Hitlers Machtübernahme war auch die evangelische Kirche dem ideologischen Sog des Nationalsozialismus erlegen. So kam es, dass der Vaterlandsglocke das Hakenkreuz im Ausmaß 35 x 35 Zentimeter und die Texte: „aus Not und aus Nacht ist Deutschland erwacht dies Kreuz gab Gelingen half Zwietracht bezwingen Dank sei dir Gott“ und „ ich rufe zum ewigen Ziele Erdenwege gibt’s viele“ aufgeprägt wurden.

Seit dem 17. Juni 1934 erklang diese Glocke, hat die Zeit des Nationalsozialismus überdauert und 83 Jahre lang geläutet.

Die Mitschuld der evangelischen Kirche an den grausamen und menschenvernichtenden Auswirkungen des Nationalsozialismus ist bekannt. Der Entnazifizierungsprozess nach dem Weltkrieg II hat auf die Existenz dieser Glocke keinen Einfluss gehabt.  In Zeiten eines allgegenwärtigen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus ist der Gebrauch dieser Glocke in Frage gestellt.

Am 15. September 2017 ist diese Glocke auf Grund öffentlicher Aufmerksamkeit und aufgeregt kontroverser Diskussion außer Betrieb gesetzt worden.

Ihrer ureigensten Bedeutung nach hängt diese Glocke im Turm der Kirche als Kirchenglocke. Als solche hat sie in Ergänzung zum weit sichtbaren Kirchturm die Postulation der Gegenwart Gottes zum Auftrag. Was der Kirchturm visuell vermittelt, sagt die Glocke akustisch: „Gott ist gegenwärtig“. Mit jedem Glockenläuten wird zum Innehalten eingeladen. In Anlehnung an die Tradition der Stundengebete wird zu Beginn, auf der Höhe und zum Abschluss des Tages das Geläut zu Gehör gebracht. Es lädt zu Gottesdiensten und Andachten ein. Unzählige Menschen sind über den Zeitraum von 83 Jahren dem Ruf der Glocke gefolgt und haben den Segen Gottes erfahren. Darüber hinaus wird durch das Anschlagen der Glocke die Zeit angezeigt.

Der tiefste Ton im Dreiklang der Glocken schweigt seit dem 15. September 2017.

Viele Menschen vermissen ihn, da besonders in der Ferne das Geläut nicht mehr gehört wird. Für die Mehrzahl der Menschen ist der Klang der Glocke präsenter als ihr äußeres Erscheinungsbild.

Nachdem diese Glocke über einen Zeitraum von 83 Jahren mit nationalsozialistischem Symbol und Texten versehen unbehelligt geläutet hat, ist ihre Existenz in Gestalt und Klang auf Grund öffentlicher Aufmerksamkeit und aufgeregt kontroverser Diskussion nun in Frage gestellt. Evangelische Kirche hat ihre Mitschuld am Verbrechen des Nationalsozialismus bekannt. Trotzdem hat die Glocke weiter geläutet.

Die Kapellen- und Gemeindeleitung zusammen mit Verantwortlichen in der evangelischen Kirche distan-zieren sich ausdrücklich vom Ansinnen der Vorfahren, die der Glocke im Sinne einer Vaterlandsglocke eine nationalsozialistische Prägung gegeben haben.

Die Kapellen- und Gemeindeleitung bedauert das Versäumnis vorange-gangener Generationen, die Geschichte und Bedeutung dieser im Kirchturm der Kreuz-Kirche befindlichen Glocke, gekennzeichnet mit nationalsozialistischem Symbol und Texten, aufgearbeitet zu haben.

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Egal wie und wo die Glocke in Zukunft ihren Platz findet, wird sie so auch zu einer Gedenk- und Mahnglocke. Ihre bloße Existenz erinnert daran, dass zahllose Menschen – insbesondere Juden – durch die Ideologie des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. In beispielloser Grausamkeit ist ein Völkermord begangen worden an dem auch evangelische Kirche eine Mitschuld trifft, in dem sie diesem Treiben nichts entgegengesetzt hat.

Diese Glocke mahnt, dass ein solches grausames Vorgehen gegen Mensch und Natur bitte nie wieder geschehen möge. Mord, Zerstörung und Vernichtung sind keine Handlungsoptionen im Leben in einer Welt, dessen Existenz im Schöpfungshandeln Gottes begründet ist.

Pastor Hellwege