Kirchengemeinde Balge - Kapellengemeinde Schweringen
Der neue Kirchen- und Kapellenvorstand ist gewählt und eingeführt

Seit dem 10. Juni ist der neue Kirchen- und Kapellenvorstand im Amt.

Den Vorsitz des Kirchenvorstandes übernimmt Pastor Jann-Axel Hellwege erneut.
Zu seiner Stellvertreterin wurde Christa Koch gewählt.
Weiterhin gehören dazu: Sybille Lackmann, Clauida Meyer und Rolf-Rainer Schuster.

Christiane Noltemeier führt nun den Kapellenvorstand als Vorsitzende.
Heinrich Eickhoff ist ihr Stellvertreter.
Weiterhin gehören zum Kapellenvorstand Elisabeth Grimmelmann, Margret Meyer und Jann-Axel Hellwege.



Die drei Gesichter der Glocke

Im Kirchturm der Kreuz-Kirche in Schweringen hängt die vom Kapellenvorstand 1934 in Auftrag gegebene Glocke.

Der Zeitgeschichte und den gesellschaftlichen Umständen geschuldet ist sie als Vaterlandsglocke konzipiert. Ein Jahr nach Hitlers Machtübernahme war auch die evangelische Kirche dem ideologischen Sog des Nationalsozialismus erlegen. So kam es, dass der Vaterlandsglocke das Hakenkreuz im Ausmaß 35 x 35 Zentimeter und die Texte: „aus Not und aus Nacht ist Deutschland erwacht dies Kreuz gab Gelingen half Zwietracht bezwingen Dank sei dir Gott“ und „ ich rufe zum ewigen Ziele Erdenwege gibt’s viele“ aufgeprägt wurden.

Seit dem 17. Juni 1934 erklang diese Glocke, hat die Zeit des Nationalsozialismus überdauert und 83 Jahre lang geläutet.

Die Mitschuld der evangelischen Kirche an den grausamen und menschenvernichtenden Auswirkungen des Nationalsozialismus ist bekannt. Der Entnazifizierungsprozess nach dem Weltkrieg II hat auf die Existenz dieser Glocke keinen Einfluss gehabt.  In Zeiten eines allgegenwärtigen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus ist der Gebrauch dieser Glocke in Frage gestellt.

Am 15. September 2017 ist diese Glocke auf Grund öffentlicher Aufmerksamkeit und aufgeregt kontroverser Diskussion außer Betrieb gesetzt worden.

Ihrer ureigensten Bedeutung nach hängt diese Glocke im Turm der Kirche als Kirchenglocke. Als solche hat sie in Ergänzung zum weit sichtbaren Kirchturm die Postulation der Gegenwart Gottes zum Auftrag. Was der Kirchturm visuell vermittelt, sagt die Glocke akustisch: „Gott ist gegenwärtig“. Mit jedem Glockenläuten wird zum Innehalten eingeladen. In Anlehnung an die Tradition der Stundengebete wird zu Beginn, auf der Höhe und zum Abschluss des Tages das Geläut zu Gehör gebracht. Es lädt zu Gottesdiensten und Andachten ein. Unzählige Menschen sind über den Zeitraum von 83 Jahren dem Ruf der Glocke gefolgt und haben den Segen Gottes erfahren. Darüber hinaus wird durch das Anschlagen der Glocke die Zeit angezeigt.

Der tiefste Ton im Dreiklang der Glocken schweigt seit dem 15. September 2017.

Viele Menschen vermissen ihn, da besonders in der Ferne das Geläut nicht mehr gehört wird. Für die Mehrzahl der Menschen ist der Klang der Glocke präsenter als ihr äußeres Erscheinungsbild.

Nachdem diese Glocke über einen Zeitraum von 83 Jahren mit nationalsozialistischem Symbol und Texten versehen unbehelligt geläutet hat, ist ihre Existenz in Gestalt und Klang auf Grund öffentlicher Aufmerksamkeit und aufgeregt kontroverser Diskussion nun in Frage gestellt. Evangelische Kirche hat ihre Mitschuld am Verbrechen des Nationalsozialismus bekannt. Trotzdem hat die Glocke weiter geläutet.

Die Kapellen- und Gemeindeleitung zusammen mit Verantwortlichen in der evangelischen Kirche distan-zieren sich ausdrücklich vom Ansinnen der Vorfahren, die der Glocke im Sinne einer Vaterlandsglocke eine nationalsozialistische Prägung gegeben haben.

Die Kapellen- und Gemeindeleitung bedauert das Versäumnis vorange-gangener Generationen, die Geschichte und Bedeutung dieser im Kirchturm der Kreuz-Kirche befindlichen Glocke, gekennzeichnet mit nationalsozialistischem Symbol und Texten, aufgearbeitet zu haben.

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Egal wie und wo die Glocke in Zukunft ihren Platz findet, wird sie so auch zu einer Gedenk- und Mahnglocke. Ihre bloße Existenz erinnert daran, dass zahllose Menschen – insbesondere Juden – durch die Ideologie des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. In beispielloser Grausamkeit ist ein Völkermord begangen worden an dem auch evangelische Kirche eine Mitschuld trifft, in dem sie diesem Treiben nichts entgegengesetzt hat.

Diese Glocke mahnt, dass ein solches grausames Vorgehen gegen Mensch und Natur bitte nie wieder geschehen möge. Mord, Zerstörung und Vernichtung sind keine Handlungsoptionen im Leben in einer Welt, dessen Existenz im Schöpfungshandeln Gottes begründet ist.

Pastor Hellwege